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Eigentlich sollte der Permafrostboden im russischen Sibirien immer gefroren sein. Eine Hitzewelle lässt ihn auftauen und versumpfen. Mit schlimmen Folgen für das Klima der Erde.

Werchojansk in Sibirien gilt als eine der kältesten Städte der Welt. Im Januar fallen die Temperaturen tagsüber im Durchschnitt auf eisige -45 Grad, im Juli wird es maximal 20 Grad warm. Ende Juni wurden in der 1.300-Einwohner-Stadt 38 Grad gemessen: Ein absoluter Hitzerekord für die Stadt im Osten von Sibirien.

Die zurzeit heißen Temperaturen sind ein riesiges Problem für ganz Sibirien, denn durch die Hitze taut der Boden immer mehr auf. Eigentlich liegt die Gegend im Permafrostgebiet – der Boden ist seit der Eiszeit bis in eine Tiefe von 1.500 Metern gefroren. Durch die anhaltenden warmen Temperaturen taut der Boden aber auf und bringt ein Problem mit sich, das das Weltklima beeinflussen könnte.

Permafrostboden in Sibirien taut auf (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Ecmwf Copernicus Climate Change /ESA/dpa)
Eine Hitzewelle in Sibirien sorgt für Temperaturen bis fast 40 Grad. picture alliance/Ecmwf Copernicus Climate Change /ESA/dpa

Methan sorgt für Klimaerwärmung

Im Boden sind Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert, den die Wurzeln und Blätter von abgestorbenen Pflanzen vor tausenden Jahren aufgenommen hatten – bis zu 1.500 Milliarden Tonnen. Wissenschaftsautor Roland Knauer sagt, die Menge im Boden sei fast doppelt so viel wie in der Atmosphäre in Form von Kohlendioxid vorhanden sei. In den nächsten 80 Jahren könnten die tauenden Böden etwa 14 Milliarden Tonnen Kohlenstoff freisetzen.

Taut der Boden auf, dann bauen Bakterien den Kohlenstoff in Methangas um. „Methan ist auf eine Sichtweise von 100 Jahren etwa 34 Mal so klimawirksam wie CO2, auf eine Sichtweise von 20 Jahren sogar circa 86 mal so klimawirksam“, sagt Guido Grosse von der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Institut im Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung. Im Moment gebe es „viele Millionen Quadratmeter sumpfiger Tundraböden, Feuchtgebiete und Thermokarstseen“, die schon Methan freisetzten.

Klimaerwärmung hat dramatische Folgen

Die Folge: Die Erde erwärmt sich weiter und ein Kreislauf beginnt. Durch die steigenden Temperaturen taue nicht nur der Permafrostboden. Auch das arktische Eis schmelze immer schneller, sagt Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Die Sonnenenergie werde vom eisfreien dunklen Ozean besser geschluckt als vorher von der reflektierenden Eisdecke.

Außerdem könne die warme Atmosphäre mehr Wasserdampf halten, so Levermann. Wenn der Dampf in höheren Breiten wieder kondensiere, werde die darin gespeicherte Energie frei und erwärme die Luft. Das Auftauen der Permafrostböden gilt deswegen als einer der Kipppunkte bei der Erderwärmung.

Rentiere versinken im Sumpf

Die Menschen und Tiere in Sibirien bekommen die Folgen schon zu spüren. Auf der nordwestsibirischen Jamal-Halbinsel versinken die Rentiere im Sumpf. Die Hirten wissen nicht mehr, wie sie mit ihren Tieren von den Winter- auf die Sommerweiden wechseln sollen. In Jakutsk am ostsibirischen Fluss Lena geraten Wohnhäuser ins Wanken, weil der Boden unter ihnen nachgibt.

Sieben Grad wärmer als sonst in Sibirien

Menschen, Tiere und Pflanzen müssen sich in kürzester Zeit an neue Klimaverhältnisse anpassen. „Von Januar bis Mai dieses Jahres war es in Sibirien etwa sieben Grad wärmer als sonst“, sagt Levermann. Warum es so heiß wurde, weiß niemand: „Wir verstehen nicht, was in Sibirien gerade passiert. Das ist ein neues Phänomen.“

Bislang sind den Klimaforschern nur die Effekte des Jetstreams bekannt – ein Band von starkem Wind weit oben in der obersten Tropo- bis hin zur Stratosphäre: „Wenn der Jetstream nach Norden schlackert, dann wird es warm in der Arktis, wenn er nach Süden schlackert, dann wird es plötzlich kalt. Im Februar 2018 war es am Nordpol mit null Grad Celsius wärmer als in Berlin mit minus zehn Grad Celsius. Aber der Jetstream dauert nur ein bis zwei Wochen, nicht fünf Monate“, sagt Levermann.

Waldbrände in Sibirien breiten sich immer weiter aus

Durch die große Hitze und starken Wind in Sibirien breiten sich auch die Waldbrände viel schneller aus als sonst. Der Forstschutzdienstes Avialesochrana teilte am Wochenende mit, dass eine Fläche von 1,3 Millionen Hektar Wald in Flammen stehe – das ist etwa so viel wie ein Drittel der Fläche von Baden-Württemberg. Gewitter und Blitze hatten die Feuer ausgelöst.

In Russland kommt es jedes Jahr zu schweren Waldbränden. Im vergangenen Jahr brannten nach Schätzungen der Umweltschutzorganisation Greenpeace 150.000 Quadratkilometer ab, eine Fläche mehr als doppelt so groß wie Bayern. Wochenlang litten Menschen in vielen sibirischen Ständen unter giftigem Rauch.

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