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Journalist Jamal Khashoggi ging in die saudische Botschaft in Istanbul – und wurde dort von Agenten ermordet und zerstückelt. Jetzt haben seine Söhne wohl die Killer gerettet.

Es ist der 2. Oktober 2018: Um exakt 13:14 Uhr betritt der saudi-arabische Journalist und Dissident Jamal Khashoggi die Botschaft seines Landes im türkischen Istanbul. Er will Papiere abholen, die er braucht, um seine türkische Verlobte, Hatice Cengiz, zu heiraten. Sie wartet vor der Tür – und wird ihn niemals wiedersehen.

Saudischer Geheimdienst: Khashoggi-Verhör lief „aus dem Ruder“

In der Botschaft warten ebenfalls Menschen: Es ist ein Killerkommando aus 15 Agenten. Viele glauben bis heute:  Kronprinz Mohammed bin Salman hat sie geschickt, um den wortmächtigen Kritiker Khashoggi mundtot zu machen.

Der 59-Jährige wird – das belegen Tonaufnahmen – verhört, gefoltert und schließlich ermordet und zerstückelt. Die Leichenteile wurde bis heute nicht gefunden. Und der Kronprinz streitet jede Beteiligung ab, obwohl enge Vertraute von ihm an dem Mord beteiligt waren. Das Ganze sei so nicht geplant gewesen, das „Verhör aus dem Ruder gelaufen“, heißt es später , nach langem Leugnen, kleinlaut.

„Wir, die Söhne des Märtyrers Jamal Khashoggi“

Es folgt ein international scharf beobachteter Prozess gegen das Mordkommando. Ende Dezember vergangenen Jahres werden dann fünf der Angeklagten zum Tode verurteilt. Drei weitere erhalten 24 Jahre Haft. Die übrigen Angeklagten werden freigesprochen. Jetzt der Paukenschlag:

„In dieser heiligen Nacht dieses gesegneten Monats (...) verkünden wir, die Söhne des Märtyrers Jamal Khashoggi, dass wir denjenigen, die unseren Vater getötet haben, vergeben und verzeihen“, schrieb Khashoggis ältester Sohn Salah am Freitag auf Twitter.

Alles nur für Gotteslohn?

Die Erklärung kommt kurz vor dem Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan an diesem Wochenende. Traditionell werden zu diesem Anlass in vielen muslimischen Ländern Amnestien verkündet. Salah Khashoggi zitiert auch aus dem Koran, wonach diejenigen auf Gottes Lohn hoffen dürften, die vergäben und für Ausgleich sorgten.

Die Stellungnahme der Söhne habe zur Folge, „dass die Mörder der Todesstrafe entgehen werden“, erklärte der saudi-arabische Autor und Analyst Ali Schihabi, der der Regierung in Riad nahesteht, auf Twitter. Schließlich sei es nach islamischem Recht das Vorrecht der Opferangehörigen, den Tätern zu verzeihen.

In konservativen islamischen Systemen ist es üblich, Todesstrafen dann auszusetzen, wenn die Angehörigen des Opfers eines Tötungsdelikts sich darauf einlassen. Normalerweise erhält die Familie dann eine erhebliche finanzielle Entschädigung.

Die saudi-arabische Zeitung Arab News schrieb, die Erklärung Salah Khashoggis und seiner Brüder bedeute nicht, dass die Mörder jetzt ohne Strafe davonkämen. Und: „Die anderen juristischen Verfahren des Staates werden fortgesetzt“, erklärt Schihabi.

Verlobte und Menschenrechtler glauben nicht an die Geschichte

Kurz nach dem Tweet von Salah Khashoggi hat Hatice Cengiz auf Twitter geantwortet: Der abscheuliche Mord habe keine Verjährungsfrist. Niemand besitze das Recht, seinen Mördern zu vergeben:

Jamal Khashoggi has become an international symbol bigger than any of us, admired and loved. His ambush and heinous murder does not have a statue of limitations and no one has the right to pardon his killers. I and others will not stop until we get #JusticeForJamal (1/2) https://t.co/hX0kFRPNvr

Kenneth Roth, Chef der US-Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, twitterte, man könne sich nur ausmalen, welche „Kombination aus Bestechungen und Drohungen“ die Söhne dazu gebracht habe, den brutalen Mördern ihres Vaters zu vergeben. Die Söhne Khashoggis sollen Häuser im Wert von Millionen Dollar bekommen haben, und Monat für Monat weitere Tausende Dollar vom Königreich erhalten.

Salah Khashoggi, der in Saudi-Arabien lebt, hatte sich bereits früher im Namen der Familie zu dem Mord geäußert. Nach der Tat kondolierten ihm König Salman und der Kronprinz bei einem Besuch im Palast. Im vergangenen Herbst warf Salah Khashoggi dann Gegnern Saudi-Arabiens vor, den Tod seines Vaters für ihre Zwecke missbrauchen zu wollen.

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