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Desinfektionsmittel steht drauf – aber was ist wirklich drin? Neben hochwirksamen Alkohol manchmal durchaus fragwürdige Substanzen, sagt SWR Marktcheck. Wegen der Desinfektionsmittelknappheit zu Beginn der Corona-Krise wurden keimtötende Mittel ohne große Prüfung zugelassen. Wir verraten euch, worauf ihr beim Kauf achten solltet.

SWR-Redakteurin Beate Bastian hat für die Sendung Marktcheck zusammen mit einem Mikrobiologen über 30 Desinfektionsmittel geprüft, die sie wahllos in Drogeriemärkten eingekauft hatte. Michael Wirbitzky aus der SWR3-Morningshow hat sie dazu befragt:

Bei welchen Desinfektionsmitteln hat der Experte am meisten mit dem Kopf geschüttelt?

Das waren Desinfektionsmittel, in denen zum Beispiel Natriumhypochlorit als Wirkstoff drin ist. Ein Stoff, der zum Beispiel in Kloreinigern enthalten ist. Und wir haben auch Präparate gekauft, da stand Wasserstoffperoxid auf dem Etikett, das wird auch zum Haarebleichen verwendet.

Das sind beides uralte Wirkstoffe, die normalerweise für die Flächendesinfektion genutzt werden, aber nicht für die Hände. Dafür sind sie viel zu aggressiv, zumindest in den Konzentrationen, in denen es auch etwas bringt. Dieser Meinung ist man zum Beispiel auch an der Hochschule Furtwangen. Da hat man sich intensiv mit den Stoffen auseinander gesetzt.

Es war auch ein Mittel dabei, das extra als unschädlich für Kinder und Babys verkauft wird. Kann man das bedenkenlos nutzen?

Das klingt zwar so, aber das Gegenteil ist der Fall. In diesem Mittel steckt nämlich hypochlorige Säure. Das Unternehmen schreibt sogar drauf, man könne es Kindern in den Mund sprühen.

Das sollte man auf gar keinen Fall machen! Denn erstens haben Desinfektionsmittel an Kindern überhaupt nichts zu suchen. Deren Haut und Schleimhaut ist viel zu sensibel. Im Körper eines Kindes haben diese aggressiven Stoffen erst recht nichts verloren. Das sagen auch unsere Experten, zumal so geworben wird, als sei das Produkt völlig unschädlich.

Warum sind diese Produkte überhaupt auf dem Markt?

Möglich macht das eine Übergangsregelung der EU. Mit Ausbruch des Coronavirus gab es so gut wie keine Desinfektionsmittel. Der Markt war plötzlich leergefegt. Da hat man gesagt, bitte stellt möglichst viele Mittel her. Die meisten haben das auch gemacht, und zwar auf Basis von Alkohol.

Ein paar „pfiffige“ Firmen haben sich dann wohl gesagt, die anderen Wirkstoffe sind ja auch zugelassen, die mische ich jetzt mit ein bisschen Parfüm und pflegenden Substanzen und bringe sie auf den Markt. Einen Nachweis über Qualität und Wirksamkeit der Produkte mussten sie erstmal nicht erbringen, denn die Behörden kommen kaum mit der Registrierung nach, geschweige denn mit Kontrollen.

Viele Desinfektionsmittel bekämpfen alles Mögliche, nur keine Coronaviren. Was müsste dafür denn auf dem Produkt stehen?

Es sollte begrenzt viruzid oder einfach viruzid draufstehen. Das sind Produkte, die enthalten in der Regel Alkohol als Hauptbestandteil. Und auch das Robert-Koch-Institut geht davon aus, dass, wenn mindestens 60 bis 80 Prozent Alkohol im Produkt drin ist, die Wirkung gegen Viren gegeben ist.

Wenn wir uns das Coronavirus näher anschauen, das ist ein behülltes Virus. Es hat sozusagen eine Fettschicht um den Kern und somit um seine Erbsubstanz herum. Alkohol zerstört diese Fettschicht. Damit kann sich das Virus nicht mehr vermehren und stirbt ab.

Der ganze „Marktcheck“-Fernsehbeitrag vom 15.9.2020

Coronaviren und Bakterien Zweifelhafte Desinfektionsmittel - wirksamer Schutz oder Risiko?

Seit der Coronapandemie wird der Markt mit Desinfektionsmitteln überschwemmt. Die Inhaltsstoffe sind zum Teil höchst fragwürdig. Helfen sie gegen Viren? Wie schädlich sind sie für die Haut?  mehr...

Marktcheck SWR Fernsehen