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Kreuzfahrten sind beliebt bei Urlaubern, Umweltschützer hingegen verteufeln diese Art des Reisens. Noch gibt es wenige Schiffe, die mit Flüssiggasantrieb herumschippern, aber immer mehr Anbieter ziehen nach und werben damit, umweltverträglicher werden zu wollen.

Aber was ist da dran? Können Urlauber künftig mit völlig grünem Gewissen Kreuzfahrten buchen – oder ist das alles nur eine Marketing-Masche gegen das Umweltsünder-Image?

Wir sind der Sache nachgegangen: SWR3-Reporter Nils Dampz und Reporterin Rebekka de Buhr haben Kreuzfahrtschiffe und Betreiber besucht, haben mit der Besatzung und Urlaubern gesprochen und auch mit Umweltexperten, Wissenschaftlern und Kritikern – um herauszufinden, was da in der Kreuzfahrt-Branche gerade vor sich geht. Ein Faktencheck.

Fakt ist:

1. Immer mehr Menschen machen Urlaub auf Kreuzfahrtschiffen

„25 Prozent mehr Reisetage als im Vorjahr verbrachten die Deutschen bis April [2019] auf einem Kreuzfahrtschiff“, heißt es im Tourismusindex des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft e.V. zum Sommer. Laut dem deutschen Kreuzfahrt-Verband Clia haben etwa zweieinhalb Millionen Menschen in vergangenen Jahr eine Kreuzfahrt gemacht. Vor 10 Jahren gab es gerade mal eine Million deutsche Passagiere.

Aber was genau mögen die Leute an diesen Schiffen, wenn viele doch offenbar ahnen, dass es umweltfreundlicher wäre, irgendwo in der Nähe zelten zu gehen? Tourismus-Forscher Professor Alexis Papathanassis hat eine Erklärung: „Diese gewisse Planbarkeit ist in Deutschland und ganz Nordeuropa gerade sehr wichtig und sehr gefragt.“ Kreuzfahrten sind also vor allem eines: bequem. Alles ist da: Freizeitangebot, Shoppingmall, Restaurants, Sportmöglichkeiten, Übernachtung. Man muss sich für nichts bemühen, es passiert nichts Unvorhergesehenes – für viele Urlauber die perfekte Entspannung.

Laut Bundesumweltamt gibt es rund 500 Kreuzfahrtschiffe auf der Welt. Wir haben mit unserem Reporterteam so ein Schiff besucht. Eines der neuen Generation mit angeblich grünem Flüssiggasantrieb. Über 6.000 Passagiere haben hier Platz. Und das ganze Schiff ist tatsächlich wie eine eigene Welt aufgebaut, inklusive eigenem Fernsehsender und Castingshows.

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Sönke Diesener vom Naturschutzbund NABU ergänzt einen weiteren Grund, der das Interesse erklärt: „Kreuzfahrt ist fast komplett steuerfrei. Gehen Sie mal in ein Reisebüro und buchen Sie eine Kreuzfahrt – Sie werden noch nicht mal eine Mehrwertsteuer darauf sehen.“ Die Reise ist im Vergleich zu anderen Pauschal-Angeboten also oft günstig. Diesener zeigt sich im SWR3-Interview besorgt: „Zum einen finden wir schade, dass immer mehr Deutsche auf diese doch umweltschädliche Art des Urlaubs abfahren und die Kreuzfahrtschiffe immer ausgebucht sind und das auch weiterhin wächst.“ Andererseits, so sagt er, würden sich die deutschen Anbieter durchaus darum bemühen, Möglichkeiten für umweltschonendere Kreuzfahrten voranzutreiben: „Gerade hier aus Deutschland kommen die Impulse, die Kreuzfahrt sauber zu machen.“

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Fakt ist:

2. Umweltbewusstsein ist ein Thema auf Kreuzfahrtschiffen

Nachfragen zur Umweltverträglichkeit gibt es auf vielen Schiffen aber wohl auch. Wybcke Meier ist Chefin der Mein Schiff-Flotte von TUI Cruises. Sie bestätigte SWR3, dass es keinen Rückgang bei den Buchungen von Kreuzfahrten gäbe, die kritische Auseinandersetzung nehme aber seit drei Jahren zu. „Wir haben schon ein gesteigertes Bedürfnis der Gäste, die an Bord kommen und die auch genauer hinschauen.“ Künftig würde es dazugehören, wenn man Urlaubsreisen anbietet, dass man die Umweltbelastung transparent macht. Kunden erwarteten, „dass das Nötigste getan wird, dass der ökologische Fußabdruck so gering wie möglich sein wird. Ich glaube, das ist eine Erwartung, die Kunden heute haben und die sie noch zukünftig haben werden.“

Klingt so einfach. Und scheint zumindest in der Theorie angekommen zu sein. Generalmanager Martin Röstel von der Aida sieht das jedenfalls genauso: „Man merkt, dass Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein sehr, sehr stark mittlerweile in den Köpfen der Menschen verankert ist. Was auch gut ist.“

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Aber ist das repräsentativ oder nur so ein Gefühl? Sind wir Urlauber wirklich so auf Nachhaltigkeit beim Reisen bedacht oder wissen wir nur, dass es eigentlich ganz gut wäre... handeln aber ganz anders?

Tourismus-Forscher Papathanassis hat den Test gemacht. Er hat Urlaubern zwei verschiedene Kreuzfahrt-Angebote gezeigt – eines mit Umwelt-Zertifikat, eines ohne. „Und das hieß ein Preisunterschied von 50 Euro für eine Woche Reise. Und die Mehrheit der Passagiere war nicht bereit, das zu zahlen. Also die haben tatsächlich das Angebot ohne das Zertifikat ausgesucht.“ Demnach scheint das Argument billig das Argument umweltfreundlich zu schlagen, aber: „Das kann auch heißen, dass es sehr schwer ist, diese Nachhaltigkeits-Zertifikate zu unterscheiden. Inwiefern ist das für mich als Konsument möglich zu wissen, dass der Aufpreis, den ich zahle, tatsächlich für Nachhaltigkeit sorgt? Und ich glaube, das ist ein Thema, über das man nachdenken muss.“

Fakt ist:

3. Moderne Kreuzfahrtschiffe bekommen Auszeichnungen

Kreuzfahrtanbieter kämpfen darum, das zusammenzubringen: Die steigende Nachfrage einerseits, die Kritik zur Umweltbelastung andererseits. Seit 2018 gibt es ein Schiff, das mit Flüssigerdgas betrieben wird, die Aida Nova. Im Moment ist es eines der wenigen Schiffe mit diesem Antrieb, das richtig im Einsatz ist. Und das Kreuzfahrtschiff wurde mit dem Umweltzeichen der Bundesregierung, dem blauen Engel, ausgezeichnet.

„Dieses Umweltzeichen ist etwas Besonderes: Es umfasst eine große Zahl von Anforderungen, die beim Neubau des Schiffes realisiert werden müssen. Zusammengenommen bedeuten sie ein deutliches Plus an Umweltschutz“, hieß es zur Verleihung in der Pressemitteilung von Ralf-Rainer Braun, dem Vorsitzendem der Jury.

Naturschützer Sönke Diesener ist durchaus überzeugt von den Kriterien des Zertifikats, das bedeutet für ihn aber noch nicht, dass das Schiff klima- und umweltfreundlich ist: „Das ist natürlich auf der einen Seite erfreulich, dass ein Schiff so gut ausgestattet worden ist, um diesen tatsächlich recht strengen Kriterien dort gerecht zu werden, andererseits guckt der blaue Engel nicht auf die Klimabilanz, nicht auf die Treibhausgasemissionen des Schiffes. Von daher, was die Luftverschmutzung angeht und auch was die Umweltverschmutzung in anderen Belangen angeht – da ist Unterwasserlärm eine Frage, die Behandlung der Abwässer und die Abfälle – hat dieses Schiff tatsächlich eine Vorreiterschaft in der Branche, auf den Klimaschutz wird nicht geschaut.“

Für den Naturschützer ist das Siegel also keine Garantie dafür, dass das Schiff eine nachhaltige Reisemöglichkeit ist:

Der blaue Engel in seinen Kriterien hier absolut gerechtfertigt, aber vielleicht müssen wir den Klimaschutz hier doch mit in den Kriterienkatalog aufnehmen, um tatsächlich ein umfassend klima- und umweltfreundliches Schiff zertifizieren zu können.

Tatsächlich aber ist die Aida Nova auch in einem Ranking, das der Naturschutzbund selbst herausgegeben hat, ganz oben vertreten.

Wie auch ein Schiff von Costa. Diese beiden Schiffe fahren mit LNG, mit Flüssiggas. Das ist, was die Luftreinhaltung angeht, tatsächlich schon eine ziemlich gute Lösung. Wir haben kaum noch Luftschadstoffe, die Gesundheitsauswirkungen haben und auch die Umweltschäden sind deutlich geringer als mit Schiffen, die mit Marine-Diesel oder mit Schweröl fährt.

Nichtsdestotrotz bleibt natürlich der Klimaschaden. Das ist ein fossiler Brennstoff und die Klimabilanz haben wir damit nicht verbessert. Von daher für uns natürlich ein Schritt in eine gute Richtung, den Luftschadstoff zu reduzieren, aber um die Klimalösung zu finden, müssen ganz andere Antriebs- und Treibstoffarten gefunden werden.

Der Unterschied zwischen Klimaschaden und Luftverschmutzung:

  • Bei der Verbrennung fossiler Treibstoffe entstehen Luftschadstoffe und Treibhausgase. Luftschadstoffe seien das, was der Lunge schadet und auch in geringer Konzentration gesundheitliche Auswirkungen haben könne. Das ist auch Thema in der Diskussion rund um Diesel-Autos im Straßenverkehr.
  • Bei der Debatte um den Klimaschaden geht es hingegen um den CO2-Ausstoß. Das entsteht immer, wenn fossile Kraftstoffe verbrannt werden und kann auch nicht über Filter oder Katalysatoren reduziert werden.

Diesener ist überzeugt: „Um den Klimaschutz voranzubringen in der Schifffahrt, müssen ganz andere Treibstoffe gefunden werden, ganz andere Antriebsarten, möglicherweise elektrische Antriebe oder Antriebe auf Basis regenerativer Energien. Wir können über Filteranlagen und über Katalysatoren die Luftschadstoffbelastung erheblich senken, auch über die Nutzung von Flüssiggas an Bord, aber um das Klima zu schützen, müssen wir neue Technologien an Bord bringen.“

Zusammengefasst: Die neue Generation der Kreuzfahrtschiffe ist ein Fortschritt, aber noch keine endgültige Lösung. Aus Sicht der Naturschützer sind die Schiffe nach jetzigem Stand nicht ausreichend klimafreundlich.

Fakt ist:

4. Es gibt weitere Faktoren: von Nahrungsmitteln bis Plastikmüll

Der Antrieb von Kreuzfahrtschiffen ist das eine. Umweltschützer mahnen aber auch sämtliche logistischen Aufwände so eines Riesenschiffs an. All die Gäste wollen schließlich versorgt werden, mitten auf dem Meer – mit Essen und allen erdenklichen Haushaltsprodukten.

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Plastikabfälle

Als wir mit unserem Reporterteam an Bord waren, sind gerade 19 Container mit Nahrungsmitteln und Hygieneartikeln für die Kreuzfahrturlauber angeliefert worden. „Das reicht für eine Woche“, schätzt Generalmanager Röstel. „Wir sind tatsächlich dabei, nach wie vor – schon seit Jahren eigentlich –, dass wir probieren, den Plastikmüll so gut es geht natürlich dann auch zu vermeiden.“ Seiner Ansicht nach sei man da auf einem guten Weg, Plastikbecher seien beispielsweise abgeschafft und gegen Mehrwegbecher ausgetauscht. Plastikstrohhalme würde man ebenfalls nicht mehr finden. Insgesamt wolle man an der Müllvermeidung künftig noch weiter arbeiten.

Naturschützer Diesener begrüßt diese Maßnahmen. Auf lange Reisen würde dennoch bestimmter Müll im Meer landen. Das bestätigen die Reedereien. Allerdings werde das Wasser gereinigt und Bioabfälle landen nur auf offener See im Wasser. Mehr zur Entsorgung auf Kreuzfahrtschiffen erfährst du hier.

Lebensmittelabfälle

Unser SWR3-Reporter hakt nach: Wie viele Lebensmittel werden denn weggeschmissen auf so einem Schiff? „Eine Zahl direkt kann ich da tatsächlich nicht nennen, natürlich haben wir Speiseabfälle. Gar keine Frage.“

Ein Problem, das es so natürlich auch um 19 Uhr in der Bäckerei im Supermarkt oder beim Sonntagsbrunch im Waldcafé gibt: Die Gäste wollen am Buffet natürlich immer die komplette Auswahl haben. Andererseits wäre es ja gut, wenn zum Ende hin die Schüsseln leer wären. Man versuche, so der Generalmanager der Aida, im Voraus bereits eine Kalkulation der Nahrungsmittel hinzubekommen – dabei behilflich ist ein Computersystem, das anhand der Gästezahl berechnet, wie viel Essen es beispielsweise zum Frühstück geben muss, damit alle satt werden.

Wasserverbrauch

Noch ein Punkt: Der Wasserverbrauch. Er liegt auf den TUI- und Aida-Pötten zwischen 160 und 180 Litern pro Tag, die Reederei Costa meldet sogar über 200 Liter pro Person und Tag. Zu Hause verbrauchen wir wesentlich weniger. Nämlich knapp 130 Liter täglich.

Massentourismus

Die Kritik betrifft aber nicht nur die Auswirkungen direkt an Bord, sondern auch den Massentourismus an sich, unter dem stark angelaufene Reiseziele wie Venedig oder Barcelona leiden. Touristen würden außerdem zumeist in den Städten nur aussteigen, ihr Geld aber auf dem Schiff ausgeben – und damit die Wirtschaft langfristig schädigen. Außerdem belasten Lärm und Abgase die Luft in den Häfen, diese wehen auch ins Landesinnere. Letzteres jedenfalls könnte mit der neuen Generation von Antrieben besser werden, wenn sie massenweise eingesetzt würden.

Fakt ist:

5. Noch sind Kreuzfahrtschiffe nicht klima- und umweltfreundlich

Der CO2-Ausstoß liege bei der Aida Nova mit Flüssiggasantrieb etwa 20 Prozent niedriger als bei vergleichbaren Schiffen, „das macht schon einen massiven Unterschied“, findet der Kapitän des modernen Schiffs, Vincent Cofalka. „Wenn Sie da umrechnen auf den Energieaufwand pro Passagier, dann sind wir tatsächlich unschlagbar. Das ist auch rechnerisch nachweisbar.“ Der Feinstaub gehe „gegen Null“ – ein Problem, das vor allem bei Diesel-Antrieben groß ist. Der Vergleich mit einem Auto sei schief, weil das Kreuzfahrtschiff mehr bieten würde als nur einen Transport – sondern beispielsweise auch Unterkunft und Verpflegung. „Wenn man das alles zusammen betrachtet, dann gibt es keine energieeffizientere Reise.“

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Wirklich nicht? Vier Personen, eine Woche Mallorca: Klimabilanz etwa 2.300 kg CO2 – durch Flüge, Übernachtung und Mietauto. Laut einer Berechnung der Klimaschutz-Organisation atmosfair. Eine Mittelmeer-Kreuzfahrt erzeugt demnach deutlich mehr: knapp 10.000 kg für die Schiffsreise (inklusive Übernachtung) und Flüge.

Vermutlich kommt es – wie so oft – darauf an, wie man rechnet und wie genau die konkrete Reise aussieht. Aber so einfach, dass die neue Generation der Kreuzfahrtschiffe andere Reisemöglichkeiten aussticht, ist es sicher nicht.

Wer für die eigene Reise nachrechnen will, kann das im Internet tun: Der CO2- und Emissionsrechner ecopassenger zeigt die diversen Luftschadstoff- und Treibhausgasemissionen, die bei einer Reise anfallen. Einfachste Grundregel: Je weiter entfernt das Urlaubsziel, desto größer sind die Emissionen auf dem Reiseweg und die damit verbundenen Klimawirkungen.

Fakt ist:

6. Das Flugzeug ist besonders klimaschädlich

Das Von-Ort-zu-Ort-Kommen und die Übernachtung ist bei einer Kreuzfahrt zwar eins (das Schiff), dazu kommen aber auch hier die Flüge. Denn Kreuzfahrer fliegen meistens zum Hafen, so viele Anlegestellen gibt es für die riesigen Schiffe in Deutschland ja auch nicht. Bei einem konkreten Vergleich, wie umweltfreundlich welche Reiseart ist, geht es also nicht nur darum, was man IM Urlaub macht, sondern auch „wie man anreist. Wenn ich mit dem Flugzeug angereist bin, habe ich natürlich eine deutlich schlechtere Klimabilanz als wenn ich z.B. mit der Eisenbahn gekommen bin“, sagt Diesener vom NABU.

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Schön und gut, das sei aber nicht so einfach, sagt wiederum Helge Grammerstorf, der Vertreter der Reedereien: „Die Bahn ist kaum eine Alternative, wenn die Gäste eine Reise nach Asien machen wollen.“ Da kann man wohl auch nicht widersprechen.

Klar ist: Kreuzfahrtschiffe sind umweltschädlich. Besonders klimaschädlich (auf Kilometer und Reisenden gerechnet) ist aber auch das Flugzeug. Das Argument: „Würde ich alle Destinationen meiner Kreuzfahrt einzeln anfliegen, wäre das viel schlimmer“, ist also so völlig korrekt. Nur: „Ich würde doch keine sechs Städte in einer Woche mit dem Flugzeug bereisen wollen“, so der Naturschützer.

Fakt ist:

7. Umwelt-innovative Kreuzfahrtschiffe sind die Ausnahme

Ein weiteres Problem: Auch wenn es ein paar Vorzeigebeispiele fortschrittlicher Kreuzfahrtschiffe gibt, ist das Marketing dafür in deren Verständnis stärker als die Auswirkungen auf die Branche. Diesener sagt: „Die Wahrnehmung, dass viele Kreuzfahrt-Reedereien jetzt in den Umweltschutz gehen und das für ihre Marketingstrategie auch nutzen, was sie alles machen, ist tatsächlich zum Teil ein Trugschluss. Es ist eigentlich eine Handvoll Schiffe, muss man wirklich sagen, die hier vorangehen und besser ausgestattet ist. Das Gros der Branche setzt aber auf Schweröl als Antriebstechnologie.“ Sein Resümee:

Man kann überhaupt nicht davon sprechen, dass die ganze Kreuzfahrt hier sauberer wird. Es sind einzelne wenige Schiffe, die vorausgehen.

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Reederei-Vertreter Grammerstorf ist sicher: „Wir müssen den Menschen attraktive Alternativen anbieten, die einfach ökologisch besser sind als wir das heute tun.“ Auch Kreuzfahrt-Kapitän Vincent Cofalka bezeichnet die Umwelt-Kritik im SWR3-Interview als Herausforderung, vor der „die Branche im Allgemeinen steht. Dem kann man ganz einfach damit begegnen, dass man eben konsequent sich dazu selbst verpflichtet, die maximale Nachhaltigkeit in diese Branche zu bringen.“ Der Prozess, Schiffe zu entwickeln, die zu 100 Prozent mit Erdgas betrieben werden können, würde viel Entwicklungsarbeit bedeuten und Jahre dauern. Man sei aber dran: „Wir experimentieren schon an der nächsten Generation mit Batteriebetrieb beziehungsweise mit Brennstoffzelle.“

Dass das alles nicht so schnell geht, dürfte jedem klar sein. Naturschützer wollen es aber nicht allein der Innovationslust der Anbieter überlassen. Die Forderung seitens des NABU richtet sich daher an den Gesetzgeber, an die Politik. Man müsse auf internationaler Ebene die Regeln verschärfen. Es brauche klare Vorgaben, wie Schiffe ausgerüstet sein müssen, um die Luftschadstoffe zu minimieren und damit den Klimaschutz voranzubringen. Natürlich habe hier der Urlauber auch vieles in der Hand. Darauf allein solle man aber nicht setzen, genauso wenig wie auf das Verantwortungsbewusstsein der Reedereien oder einzelner Unternehmen.

Fakt ist:

8. Künftig müssen Kreuzfahrtschiffe wirklich umweltfreundlich werden

„Ich glaube, dass die Schiffe noch umweltfreundlicher werden, als sie eh schon sind,“ sagt Generalmanager Röstel. Die Nachfrage jedenfalls sei da, der Markt noch nicht ausgereizt – und das kann ja auch ein Anreiz sein, mehr an die Umwelt zu denken.

Sönke Diesener vom NABU ist ebenfalls der Ansicht, dass es noch weitergehen muss bei der Suche nach Lösungen, Kreuzfahrtschiffe umwelt- und klimafreundlicher zu machen. Tatsächlich gäbe es aber im Moment keine Antriebe für so große Schiffe, die nicht auf fossilen Treibstoffen basieren. „Es muss in die Forschung investiert werden, es sind aber auch schon Lösungen parat, die auf kleineren Schiffen unterwegs sind.“ Die Reederei Hurtigruten betreibt beispielsweise ein Hybridschiff, das Akkus mit an Bord hat. „Es gibt aber auch schon rein elektrisch fahrende kleinere Fähren. Es gibt synthetische Kraftstoffe, also Kraftstoffe, die in Verbrennungsmotor oder in einer Brennstoffzelle genutzt werden, z.B. Wasserstoff, der mit regenerativen Strom hergestellt worden ist.“ Er hat Hoffnung, dass es irgendwann klappt, mit gutem Gewissen auf ein großes Kreuzfahrtschiff zu gehen und wirklich klimaneutral unterwegs zu sein. Im Moment ist das aber wohl noch nicht möglich.

Beiträge des SWR3-Reports zum Nachhören

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