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Rund um Brustkrebs kursiert viel gefährliches Halbwissen: Stimmt es, dass das Krebsrisiko steigt, ich Milch trinke? Bekomme ich auch Brustkrebs, wenn meine Mutter ihn hat? Wir machen den Faktencheck.

Jedes Jahr bekommen etwa 70.000 Patientinnen die Diagnose: Brustkrebs. Ist die Diagnose gestellt, können viele Frauen heute brusterhaltend operiert werden. Wenn man einen großen Tumor hat, lässt sich dieser unter Umständen durch eine medikamentöse Therapie vorab verkleinern – das ist oft eine Chemotherapie. Zur brusterhaltenden Operation kommt danach aber eine Strahlentherapie hinzu, um den Schutz vor einem Rückfall zu verbessern.

Die meisten Tumore in der Brust stellen sich bei der Untersuchung als gutartig heraus. Dabei kann es sich um Bindegewebsgeschwülste handeln oder um flüssigkeitsgefüllte Zysten. Bösartige Tumore gehen fast immer von den Brustdrüsen aus. Dabei ist in Deutschland Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung bei Frauen, jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens daran. SWR-Wissenschaftsredakteurin Anja Braun und Wissenschaftsredakteur Jochen Steiner klären auf, welche Behauptungen rund um Brustkrebs wahr und welche falsch sind.

Mythos 1

Milch erhöht das Brustkrebsrisiko

Jein. Die Milch enthält Wachstums- und Sexualhormone, die die Kälbchen zum Aufwachsen benötigen. Deshalb warnen viele Naturheilkundler zumindest vor einem übermäßigen Milchgenuss. Die Hormone, die fürs Wachstum und die Entwicklung der Jungtiere wichtig sind, seien für erwachsene Menschen schädlich – so die Argumentation.

Tatsache ist: Es gibt bisher keine validen und monokausalen Studien dazu, dass Milchkonsum tatsächlich Brustkrebs auslösen kann oder auch nur anfälliger dafür macht. Das liegt aber auch daran, dass es zu wenig Daten gibt, um sagen zu können, ob Milch eine Rolle in der Krebsvorbeugung spielt – oder ob man sich eher beschränken sollte. Bisher gehen die Wissenschaftler davon aus, dass normaler Milchkonsum im Hinblick auf das Krebsrisiko unbedenklich ist.

Mythos 2

Smartphones verursachen Brustkrebs

Nein, weder hochfrequente Felder (wie sie von Smartphones ausgehen) noch niederfrequente Felder (durch Elektrogeräte) sind stark genug, um Atome und Moleküle direkt zu verändern. Elektromagnetische Felder können die Erbinformation in Zellen also nicht derart schädigen, dass Krebs entsteht.

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Ob es allerdings indirekte Effekte durch die Strahlung gibt, die das Krebsrisiko fördern, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt.

Mythos 3

Je größer die Brust, desto größer das Krebsrisiko

Jein: Der Einfluss der Größe der Brust auf das Brustkrebsrisiko ist nicht abschließend geklärt. Fest steht: Je höher der Anteil an Drüsen- und Bindegewebe, desto dichter ist die Brust. Frauen mit einem sehr dichten Brustgewebe haben ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs. Denn eine Brust mit viel Drüsengewebe hat mehr Zellen, die entarten können.

Mythos 4

Bügel-BHs erhöhen das Brustkrebsrisiko

Nein, es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass BHs – mit Bügeln oder ohne – das Brustkrebsrisiko in irgendeiner Weise beeinflussen beziehungsweise erhöhen.

Mythos 5

Meine Mutter hat Brustkrebs, bekomm ich es auch?

Jein. Die „Brustkrebsgene“ BRCA1 und BRCA2 steigern das Risiko für eine Erkrankung deutlich. Besondere Aufmerksamkeit bekam die genetische Vorbelastung durch Schauspielerin Angelina Jolie, die sich vorsorglich Brustdrüsengewebe entfernen ließ. Es wurde bei ihr durch Implantate ersetzt. Tatsächlich spielt diese familiäre, vererbte Vorbelastung aber nur in wenigen Fällen eine Rolle: bei etwa fünf bis maximal zehn von hundert Patientinnen.

Mythos 6

Brustkrebs kann ich vorbeugen

Nein. Es gibt kein Mittel, das eine Frau vor einer Erkrankung schützen kann. Aber es gibt einiges, was man tun kann, um das eigene Brustkrebsrisiko zu senken:

  • Vor allem Frauen, die die Wechseljahre schon hinter sich haben, sollten eine Gewichtszunahme vermeiden oder bei Übergewicht abnehmen.
  • Möglichst wenig Alkohol und viel Bewegung, vor allem nach den Wechseljahren.
  • Außerdem sollte auf eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren verzichtet werden.

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Mythos 7

Das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, ist sehr hoch

Nein. Die 10-Jahres-Überlebensrate liegt bei etwa 80 Prozent. Zum Vergleich: Bei Darmkrebs sind es knapp 60 Prozent, bei Bauchspeicheldrüsenkrebs knapp 10 Prozent.

Heute sterben weniger Frauen an Brustkrebs als früher. Ein Früherkennungsprogramm bietet ab dem 30. Lebensjahr die Möglichkeit einer jährlichen Tastuntersuchung. Im Rahmen des Mammographie-Screening-Programms werden Frauen zwischen 50 und 69 alle zwei Jahre zu einer Röntgenuntersuchung der Brust eingeladen.

Mythos 8

Chemo ist die einzige Behandlungsmöglichkeit

Nein. Bis die Diagnose Brustkrebs gestellt ist und alle notwendigen weiteren Untersuchungen durchgeführt wurden, kann es einige Tage dauern, unter Umständen auch länger.

Dann folgt die Planung der Behandlung: Sie wird heute individuell für die Bedürfnisse jeder Patientin angepasst. Die erste Behandlung von Brustkrebs sollte an einer Klinik erfolgen, die über ausreichende Erfahrung verfügt und an der alle in die Diagnostik und Therapie eingebundenen medizinischen Fachgebiete vertreten sind. Der erste Ansprechpartner ist aber die Frauenärztin.

Video: Brustkrebs – Geht es ohne Chemotherapie?

Mythos 9

Wenn ich schwanger bin oder stille, kann ich keinen Brustkrebs bekommen

Nein. Auch dann kann Brustkrebs auftreten, was allerdings sehr selten vorkommt. Andererseits gibt es wissenschaftliche Hinweise darauf, dass Stillen das Brustkrebsrisiko senken kann.

Mythos 10

Nur Frauen bekommen Brustkrebs

Nein, auch Männer können von Brustkrebs betroffen sein: Auf etwa 100 Erkrankungen bei Frauen kommt eine bei einem Mann. In Deutschland wird die Diagnose jährlich etwa 650 mal gestellt.

Hilfe und Informationen: Hier kannst du dich beraten lassen

Video: Brustkrebs erkennen, aber richtig – Vorsorge und Therapie

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